Ianus I - XVI

studioview


Kunstraum Kreuzberg, Berlin



































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Genau diesen Reflex konditionierten Sehens adressieren die sechzehn Blätter der Ianus-Serie von Pedro Boese. Dass sie jeweils quadratisch angeordnete weiße Punkte vor schwarzem Hintergrund zeigen, lässt sich bei manchen Blättern nur noch erahnen, weil sie Teil einer offensichtlich auf demselben gestalterischen Grundprinzip beruhenden Gruppe sind. Tatsächlich befinden sich auf der überwiegenden Zahl der Blätter nicht nur die Reihen und Zeilen der Punkte in verschiedene Graden der Auflösung, sondern auch die formale Integrität der Punkte selber ist schwer gestört. Kreis und Rechteck, beides Figuren großer Symmetrie, sind in Boeses Arbeiten in einem Zustand der Krise. Sie wurden durch einen simplen mechanischen Eingriff aus der einfachen Flächengeometrie in die komplizierte Welt der Fraktale gestoßen. Chaos tritt an Stelle der den Gesetzen der Flächengeometrie gehorchenden Wiederholung und öffnet die Tür zu wahrnehmungsphysiologischer Uneindeutigkeit. Vorder- und Hintergrund finden sich plötzlich auf der gleichen Bildebene wieder, weil das durch die Lücken der zerrütteten Strukturen drängende Weiß des Papiers Motiv und Raum in Eins fallen lässt. So zwingt man das Auge zu der schwierigen Übung, a priori Existierendes nicht als gegeben und somit unsichtbar, sondern als etwas Reales zu begreifen. Anders formuliert: Der Betrachter erkennt, dass das Nichtsichtbare von wesentlicher Bedeutung bei der Konstituierung des Sichtbaren ist; dass letztlich beide nur zusammen existieren können. (...)"

Essay von Susanne Prinz erschienen im Katalog "monomodul", Raum für Kunst, Aachen 2011